Ich habe keine Lust mehr auf den chronischen Pessimismus, der einem im Alltag regelmäßig entgegenweht. Ich ersticke langsam daran. Und ich will wieder atmen.
Ich habe das Gefühl, dass viele keinen echten Grund für ihre schlechte Laune brauchen. Dass sie es selbst nicht mehr merken, weil es schon längst Normalität ist. Ich verstehe, dass man nicht jeden Tag super gelaunt sein kann und darum geht es auch gar nicht. Aber wenn wir nicht aufpassen, kann schlechte Laune schnell zur unbewussten Standardeinstellung werden.
Wir können unsere Perspektive trainieren.
Es gibt meiner Meinung nach einen himmelweiten Unterschied zwischen einem gesunden Problembewusstsein und einer völlig unverhältnismäßigen Problemobsession. Wenn in jedem Satz eine Beschwerde mitschwingt und kein positiver Gedanke mehr für sich stehen darf, empfinde ich das als unglaublich anstrengend. Warum glauben wir eigentlich, alles Schöne immer relativieren zu müssen? Ist es nicht auch mal okay, etwas Gutes einfach gut sein zu lassen?
Nur, weil es uns so beigebracht wurde, heißt das nicht, dass wir etwas nicht hinterfragen dürfen.
Wir dürfen immer die Frage in den Raum stellen, ob uns eine bestimmte Denkweise langfristig weiterbringt oder ob sie in ihrer aktuellen Form vielleicht eher destruktiv wirkt. Wir müssen nicht um jeden Preis alles aushalten. Wir dürfen auch mal uns selbst zuliebe entscheiden. Das mag sich im ersten Moment falsch anfühlen, aber nicht, weil es wirklich falsch ist: es ist einfach nur ungewohnt.
Und auch auf die Gefahr hin, deshalb als egoistisch abgestempelt zu werden: ich werde mich nicht einreihen in die lange Serie an Frauen, die sich Zeit ihres Lebens immer selbst hintenangestellt haben.
Ich will keine Wartende sein.
Nicht mein Leben lang auf den vermeintlich richtigen Augenblick herbeisehnen, um endlich das zu tun, was sich richtig anfühlt. Nicht immer erst eine andere Person fragen, ob es okay ist. Meinen Wert sehen ohne künstliche Bestätigung von außen.
Ich will keine Wartende sein. So lange, bis alle passenden Momente unwiederbringlich verstrichen sind. Bis ich auch den letzten möglichen Wendepunkt verpasst habe und mich mit meiner Ist-Situation abfinden muss, weil ich aus Angst oder Passivität jede andere Wahlmöglichkeit ausgeschlagen habe.
Ich will keine Zeit damit verschwenden, auf etwas zu warten, was erst passieren wird, wenn ich aktiv danach handle. Ich bin davon überzeugt, dass sich der für uns richtige Weg erst beim Gehen zeigt, nicht vorher. Ich weiß, wir wägen gern ab, wir wollen wohlüberlegt Entscheidungen treffen und alle Konsequenzen möglichst vorher im Kopf miteinander abgleichen. Irgendwann müssen wir aber selbst einen Punkt setzen. Es gäbe immer nochmal eine zusätzliche Gedankenschleife, die wir potenziell durchlaufen könnten. Aber ab einem gewissen Punkt wissen wir eigentlich, was wir wollen: und ab da ist jedes weitere Hinterfragen eigentlich nur ein Hintertürchen, mit dem wir unser Nicht-Handeln zu rechtfertigen versuchen.
Wir denken, wir sind produktiv, aber eigentlich drücken wir uns nur vor dem nächsten Schritt.
Unbequem sind neue Wege vermutlich immer ein bisschen, aber ich bin davon überzeugt, dass sich dieser Mut langfristig auszahlt.
Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir das nicht ruckartig, per 180 Grad Wendung oder von heute auf morgen. Es reicht, langsam anzufangen, aber konsequent zu bleiben. Nicht aufzugeben, wenn’s mal nicht so klappt. Es so oft wieder zu versuchen, bis es spürbar leichter wird. Nicht in Schwarzseherei abzukippen und am Blick für das Gute festzuhalten: besonders dann, wenn es schwerfällt.
Gegen die Bitterkeit
Ich habe glücklicherweise einige tolle Menschen in meinem nahen Umfeld, mit denen ich mich regelmäßig darüber austausche, wie es ist, als Frau sein eigenes Wohlbefinden zu zentrieren; in einer Welt, die einem genau das ständig streitig macht. Nicht jede Entscheidung vom Umfeld abhängig zu machen, sondern Dinge zu priorisieren, einfach, weil man sie selbst als wichtig empfindet. Wenn ich jemandem dazu einen Tipp geben müsste, wäre es dieser hier: lass los, wer dich runterzieht und bewahr dir die Freundin, die mit dir beim Brunch das Sektglas gegen die Bitterkeit erhebt.
Schon gelesen?
"Du hast zu hohe Erwartungen."
Als ich mir nahestehenden Menschen vor einigen Monaten erzählte, dass ich jetzt jemanden treffe, kam folgender Satz als Reaktion: “Oh, das ist gut, ich bin froh, dass du außer uns jetzt noch etwas anderes hast.” Als ob mein Leben davor eine einzige inhaltlose Veranstaltung gewesen wäre. Als ob ich nicht schon vorher erfüllt gelebt hätte - romantische Beziehung hin oder her.




