Vor einigen Tagen ist mir ein Zitat des Theologen Reinhold Niebuhr begegnet, das seinen inhaltlichen Ursprung im stoischen Kernprinzip der antiken Philosophie hat:
“Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.”
Der Teil mit dem Ändern war nie wirklich mein Problem. Das Hinnehmen dagegen schon. Was ich aber mittlerweile begriffen habe: indem ich lerne, die Unveränderbarkeit mancher Dinge zu akzeptieren, werde ich erst richtig handlungsfähig.
Du willst nur Monday Editions zugeschickt bekommen, aber keine anderen Themenbereiche - oder umgekehrt?
Kein Problem: in deinem Leserprofil auf der Magazinwebsite kannst du unter “Abonnement verwalten” deine Newsletter-Einstellungen schnell und einfach personalisieren. So landen künftig nur die Texte in deinem Postfach, die du auch wirklich lesen möchtest.
Manchmal will man etwas so unbedingt, dass man dafür wiederholt gegen die immer selbe Mauer rennt. Wie ein Kommentar auf Youtube unter einem Video festhält, indem der 21-jährige Liberale Dean Withers zwei Stunden lang mit 20 MAGA-Frauen debattiert:

Dinge hinzunehmen bedeutet in diesem Fall allerdings nicht, dass man schweigend daneben sitzen sollte, wenn jemand menschenrechtswidrigen Mist in die Welt hinausposaunt. Es heißt eher, sich möglichst nicht mehr von Unaufgeklärtheit rage baiten zu lassen.
Was bringt es uns, wenn unsere Art des Ankämpfens am Ende nur dazu führt, dass wir im Burnout landen? Freie Bahn für Menschen, die im Sinne aller wirklich nicht das Zepter in der Hand halten sollten.
Innere Gelassenheit zu finden, wenn die Welt spinnt, ist eine enorme Herausforderung.
Aber meiner Meinung nach unabdingbar, wenn wir nicht wollen, dass die Sache kippt.
Mental in Bewegung bleiben, sich nicht lähmen oder blockieren lassen von den immer neuen Flutwellen an Irrsinn, die drohen, einen zu überrollen.
Man weiß momentan einfach nicht, wo man anfangen soll. Wir kämpfen hier mit Hitzewellen und Rekordtemperaturen, während parallel die mit Abstand klimaschädlichste Fußball-WM in der Menschheitsgeschichte ausgetragen wird. Mehr als optional, wenn man ganz ehrlich ist. Gleichzeitig sind die interkulturellen Begegnungen in einem solchen Turnier unverzichtbar für das Zusammengehörigkeitsgefühl und nebenbei bemerkt auch wunderschön anzuschauen, wenn man die bunten Straßen voller Fans sieht, die ausgelassen und ohne Berührungsängste miteinander feiern.
Und dennoch: über allem hängen MAGA-Schleier und FIFA-Korruption. Wer hier mitfeiern und mitspielen möchte, muss dafür erst ins favorisierte Menschenbild einer kognitiv überschaubar ausgestatteten Obrigkeit passen.
Wenn man einmal anfängt, hinter die schillernde Fassade solcher Mega-Events zu schauen, kann es wirklich schwer sein, trotz alledem noch die nötige innere Ruhe beizubehalten, damit man dauerhaft handlungsfähig bleibt.
Ich frage mich, was es braucht, damit wir endlich gesellschaftsübergreifend lernen, die vorhersehbaren Motive tiefbegabter Machtfiguren rechtzeitig zu entlarven.
Ihnen zu glauben, wenn sie uns ihr wahres Gesicht zeigen, statt zu relativieren. Sie tun uns doch eh den Gefallen, sich unmissverständlich auszudrücken. Aber ich glaube, dass wir Menschen uns gerade damit manchmal einfach schwertun. Wir wünschen uns, dass jemand kommt, der verspricht, solidarisch in unserem Interesse zu handeln und freuen uns, wenn uns ebendieser einen vermeintlichen Quick Fix für hochkomplexe gesellschaftliche Herausforderungen liefert. Oder noch besser: bestreitet, dass es sie überhaupt gibt.
Das Ganze hat jedoch eine ähnliche Logik wie die eines Kindes, das ganz fest die Augen zukneift nach dem Motto: wenn ich das Gruselmonster nicht sehe, existiert es auch nicht.
Ich habe dazugelernt.
Ich sehe die Wand früher kommen und bleibe seltener davor stehen. Es fällt mir mittlerweile leichter, mich umzudrehen und weiterzugehen, statt meine Energie dort zu investieren, wo sie wirkungslos versandet.
Ich kämpfe wie gesagt noch mit dem Gelassenheitspart, wie man wahrscheinlich merkt. Aber ich denke, dass es oft auch eher darum geht, zu sagen, was gesagt werden muss und emotional unabhängig von den Reaktionen zu bleiben. Denn letzteres ist der Teil, den man ohnehin nicht kontrollieren kann. Abzuwägen, wann es Gelassenheit braucht und wann die nötige Portion Mut. Und solange genügend von uns in Bewegung bleiben, werden die Mauern uns nicht aufhalten.
Wholeheartedly ist für alle, die sich für systemische Perspektiven auf Natur, Gesellschaft und Gesundheit interessieren. Dabei wollen wir sowohl differenziert einordnen als auch Raum für Emotion lassen. Abonniere kostenlos, um keine neuen Texte mehr zu verpassen:
Du kannst dein Abo jederzeit auf bezahlt upgraden, wenn du das Magazin noch stärker unterstützen möchtest. So können wir dir in Zukunft immer spannendere Inhalte bieten.
Weiterlesen
Sag's ihr.
Jemanden anzusprechen, den wir toll finden, ist wahrscheinlich für die meisten von uns eine Überwindungssache. Seit es Social Media gibt, verlagern wir das Kennenlernen allerdings auffällig oft auf den virtuellen Raum: auch dann, wenn es gar nicht sein müsste.
Was kostet die Todesstrafe, außer das Leben?
Was passiert, nachdem die Todesstrafe verhängt wird? Warum sterben Todestrakt-Insassen am seltensten durch die Exekution? Und was kostet die Todesstrafe, außer das Leben?
Ein ganzheitlicher Blick auf die Death Row in den USA.
Die Lage auf dem Land: Systemfehler Gesundheitsversorgung
Strukturelle Probleme im deutschen Gesundheitssystem sind längst kein abstraktes Diskussionsthema mehr, sondern deutlich spürbar in unserer Alltagsrealität – sowohl für Patienten als auch für Mitarbeitende in den einzelnen Gesundheitssektoren. Personalmangel, Budgetkämpfe, weite Behandlungswege, viel Bürokratie und insgesamt fehlende Möglichkeiten, individuell auf einzelne Fälle einzugehen, erschweren dabei den Genesungsprozess. Die Grenzerfahrungen, die sowohl Patienten als auch Mitarbeitende im Behandlungsalltag machen, untermauern den dringenden Handlungsbedarf. Besonders im ländlichen Raum sehen sich Menschen mehr und mehr mit Schwierigkeiten konfrontiert, wenn es um den Zugang zu verlässlicher ärztlicher Betreuung geht.





