Jemanden anzusprechen, den wir toll finden, ist wahrscheinlich für die meisten von uns eine Überwindungssache. Seit es Social Media gibt, verlagern wir das Kennenlernen allerdings auffällig oft auf den virtuellen Raum: auch dann, wenn es gar nicht sein müsste.
Warum flüchten wir in diesen Momenten so gern - und wovor eigentlich?
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Alles begann mit einem Zettel bei PAUL
Wenn ich an die bisher coolste Art und Weise denke, auf die ich je angesprochen wurde, fällt mir sofort die Geschichte von W & und mir ein.
Im Frühling 2024 war ich das erste Mal für einen ganzen Monat auf Solotrip an der portugiesischen Westküste. Ich fand in Cascais schnell mein kleines Stammcafé - PAUL - und schaute dort in den ersten Tagen öfter mal vorbei. Wenn man an einem Ort regelmäßig Zeit verbringt, lernt man auch die Leute kennen, die dort arbeiten - so wie ihn.
W und ich waren uns auf Anhieb sympathisch, und als ich das Café mit meinem Americano to go an diesem Morgen nach unserem ersten Gespräch verließ, bemerkte ich, dass er seine Nummer & sein Instagram auf meine Rechnung geschrieben hatte. Ein richtiger kleiner Filmmoment für mein 21-jähriges Ich. Ich weiß noch, wie kribbelig ich war.
Die Geschichte entwickelte sich anders, als man jetzt vielleicht denkt - aber sie ging weiter.
Wir wurden Freunde. Über fast zwei Jahre haben wir uns regelmäßig gesehen, wann immer ich dort war. Ich habe mitbekommen, wie er sich jedes Vorankommen in seinem Leben hart erkämpft hat und wie er es geschafft hat, entgegen aller Widerstände seine ungeliebte Gastro-Tätigkeit hinter sich zu lassen. Wir haben unzählige Abende zusammen gehockt, aufs Meer geschaut und darüber gesprochen, wie das Leben in ein paar Jahren aussehen könnte, wenn jeder von uns seine Ziele erreicht. Wir hätten auf romantische Weise nie zusammengepasst und hätten unterschiedlicher kaum sein können, aber als Freunde haben wir fantastisch funktioniert.
Ich bin froh, dass er sich damals getraut hat, mir diesen Zettel zu geben und freue mich jedes Mal, wenn ich mitbekomme, dass Menschen sich trauen, einen ähnlichen ersten Schritt auf jemand anderen zuzugehen.
Warum verlassen wir uns beim Kennenlernen so sehr auf unser Handy?
Mir fällt momentan auf, dass Interesse an anderen Menschen oft sehr stark virtuell gezeigt wird. Das gilt sowohl fürs Dating als auch fürs Pflegen von Freundschaften über Social Media, statt über persönlichen Kontakt.
Für mich kann ich klar sagen:
Die besten Begegnungen habe ich immer noch offline.
Gut, das ist jetzt keine weltbewegende Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass ich es online gar nicht erst versuche. Es gab aber mal eine Zeit, da hab ich’s, und ich habe sehr schnell festgestellt, dass man fürs ‘online Leute kennenlernen’ wahrscheinlich einfach der Typ sein muss. Der virtuelle Raum kann einen natürlich gezielt mit Menschen verbinden, die zu einem passen, aber ich glaube nicht, dass uns das Kennenlernen deshalb leichter vorkommt als in der Realität. Dafür gibt es einen besseren Grund.
“Es ist so schwer, Menschen in der realen Welt kennenzulernen.”
Diesen Satz habe ich neulich erst wieder von jemandem gehört, mit dem ich freitagabends im Bierzelt eine kurze Unterhaltung hatte. Ich glaube ehrlich gesagt, der Unterschied besteht hauptsächlich darin, dass wir uns übers Handy einfach mehr trauen. Die Schwierigkeit liegt wahrscheinlich auch in der Verletzlichkeit der Sache: jemanden anzusprechen kostet Mut. Würden wir einer Person in der Realität dieselben Signale senden, würden die Erfolgsaussichten sicher auch anders aussehen.
Egal in welchem Kontext, wir überlegen uns zehnmal öfter, jemanden anzusprechen, den wir interessant finden und was wir sagen, wenn da keine virtuelle Barriere ist, hinter der wir uns verstecken können.
Wir haben uns so daran gewöhnt, dass ein großer Teil unserer Kommunikation online stattfindet, dass wir uns vielleicht manchmal zu sehr dahin zurückziehen. Was mitunter zur Folge haben kann, dass uns in der Realität etwas Wertvolles entgeht.
Was ich damit sagen will
Wenn man jemandem begegnet, den man interessant findet, lohnt es sich immer, den Schritt auf diesen Menschen zuzugehen. Kann sein, dass es am Ende nicht das ist, was man ursprünglich erwartet hat, aber deshalb muss es nicht automatisch schlechter sein. Manchmal entsteht daraus sogar unverhofft die bessere Geschichte.
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"Du hast zu hohe Erwartungen."
Als ich mir nahestehenden Menschen vor einigen Monaten erzählte, dass ich jetzt jemanden treffe, kam folgender Satz als Reaktion: “Oh, das ist gut, ich bin froh, dass du außer uns jetzt noch etwas anderes hast.” Als ob mein Leben davor eine einzige inhaltlose Veranstaltung gewesen wäre. Als ob ich nicht schon vorher erfüllt gelebt hätte - romantische Beziehung hin oder her.
I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.
Können wir gegen Dysfunktionalität „anlieben"?
Im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es mehr unterschiedliche Überzeugungen, als man überblicken kann – darunter auch solche, die die Entwicklung von funktionierenden Verbindungen eher blockieren als begünstigen.








Was eine schöne Geschichte 😍 wie schön sich eure Freundschaft entwickelt hat. Sowas schreibt nur das offline Leben. ☺️
Ich bin da ganz bei dir, beobachte auch, dass die Menschen zwar raus gehen, dann aber irgendwie auch nur am Handy rum hängen und ich finde das macht es schwieriger.
Wann haben wir damit angefangen, es wichtiger zu finden am Handy zu hängen, selbst wenn die Menschen die man gerne hat um einen herum sind?