Es darf trotzdem alles gut werden
Ein Liebesbrief an die Freundschaft | Monday Editions
Ich will keinen Wettbewerb befeuern und keinen unnötigen Vergleich in Richtung “Was ist wichtiger, romantische Beziehung oder Freundschaften”, weil ich glaube, dass das keinen Sinn macht. Das ist wie Äpfel und Birnen zu vergleichen. Liebe ist eine Bereicherung, ja. Aber Freundschaften sind für mich essenziell.
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Dass das nicht jedem so geht, wurde mir kürzlich bewusst, als ich im Instagram-Beitrag einer Influencerin gelesen habe, dass sie Freundschaften allgemein eher als Belastung empfindet, im Gegensatz zu ihrer Ehe. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass es bei diesem Thema um hoch individuelles Empfinden geht.
Und ja, Freundschaften bedeuten Investment. Zeit, Energie, Verlässlichkeit. Aber ist das nicht immer so bei den Dingen, die uns wichtig sind?
Gute Freundschaft macht nicht nur aus, dass man weiß, man kann sich jederzeit melden, wenn etwas ist. Man spürt eine besondere Form der Sicherheit und fängt automatisch an, sich zu öffnen.
Gute Freundschaft sollte sich selbstverständlich anfühlen, ohne, dass man sie je als selbstverständlich ansieht.
Wenn man seine Freunde anschaut und denkt: “Natürlich bist du Teil meines Lebens, ich kann mir gar nichts anderes vorstellen.”
Es gibt Freundschaften, die laufen so nebenher, oberflächlicher. Und dann gibt es die, die irgendwann Teil von einem selbst werden.
Ich spreche hier oft über Identität und vor allem die Angst vor Identitätsverlust, wenn Menschen ein wichtiger Bestandteil des eigenen Lebens werden. Weil es doch irgendwie dazu führt, dass man durch diese Menschen schlimmstenfalls ins Wanken geraten könnte, wenn sie gehen.
Was ich aber mittlerweile gelernt habe: selbst, wenn Menschen gehen, von denen man es nie erwartet hätte, wird man es überstehen. Und mehr als das: es darf trotzdem alles gut werden.
Mir wurde innerhalb eines Jahres so oft das Herz gebrochen, dass ich mich zwischenzeitlich wirklich gefragt habe, ob ich’s vielleicht einfach nicht anders verdiene. Ich habe selten so an meinem Wert und meiner Fähigkeit gezweifelt, eine gute Freundin zu sein, wie in dieser Zeit. Und es hat lange gedauert, bis ich anderen wieder glauben konnte, wenn sie gesagt haben, ich sei für sie unverzichtbar.
Im letzten Jahr habe ich verstanden, dass mich meine Fehler nicht weniger liebenswert machen.
Dass Menschen manchmal ihre eigenen Gründe haben, zu gehen und dass ich das nicht verhindern kann.
Manchmal klärt sich die “Warum”-Frage im Nachhinein und manchmal muss man seinen Frieden damit machen, dass man nie eine richtige Antwort bekommen wird.
Wenn ich einmal jemanden wirklich in mein Herz geschlossen habe, kann ich diesen Menschen nur sehr schwer wieder daraus entlassen. Vielleicht kann ich’s auch gar nicht. Nicht ganz, jedenfalls. Ich weiß aber mittlerweile, dass es manchmal einfach so sein muss. Und ich entscheide mich trotzdem bewusst dafür, mich wieder zu öffnen, weil Bitterkeit nicht die Antwort sein kann. Ich weiß, dass Schmerz nicht vermeidbar ist, wenn man wachsen möchte. Und dass es viel mehr darauf ankommt, was man damit anfängt. Welche Erkenntnisse man daraus zieht und vielleicht auch, ob man es schafft, dem Prozess zu vertrauen.
Man kann sicher nicht alles kitten, aber sehr viel mehr, als man denkt. Dafür sind Beziehungen da. Und ich glaube ehrlich, je tiefer eine Bindung geht, desto härter die Prüfungen.
Gesehen werden führt zu Verletzlichkeit und wir sind alle nicht kugelsicher.
Aber wir können heilen.
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Gegen die Bitterkeit.
Ich habe keine Lust mehr auf den chronischen Pessimismus, der einem im Alltag regelmäßig entgegenweht. Ich ersticke langsam daran. Und ich will wieder atmen.
I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.




