Fühl ich (nicht).
Warum wir selbst bestimmten dürfen, wie Erfolg für uns aussieht. | Monday Editions
Wenn bis vor kurzem irgendwo die Worte Erfolg oder erfolgreich gefallen sind, habe ich fast schon reflexartig noch mit den Augen gerollt. Weil ich mit diesen Begriffen nicht nur eine Menge Druck assoziiere, sondern eine Menge Druck in die für mich falsche Richtung.
Das liegt sicher auch ein bisschen daran, dass diese Begriffe so oft herhalten müssen, wenn jemand lautstark öffentlich Lebensvorstellungen glorifiziert, die ich nicht unbedingt teile.
Irgendwann letztes Jahr hatte ich dann so die Nase voll von meiner intrinsisch negativen Erfolgsdefinition, dass ich endgültig Schluss mit ihr gemacht habe. Seitdem lerne ich vieles neu. Und ich habe verstanden, dass ich selbst bestimmen darf, wie Erfolg für mich aussieht.
Ich bin Helen und schreibe hier im WH Magazine über Autonomie und Handlungsfähigkeit. Mit einem kostenlosen oder bezahlten Abo bekommst du neue Texte künftig direkt in dein Email-Postfach:
Denken wir bei dem Wort Erfolg an etwas Positives - oder empfinden wir eher Druck?
Ein Erfolg wird definiert als “positives Ergebnis einer Bemühung oder auch Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung”. Damit geht es also nicht unbedingt nur um irgendeine äußere Messbarkeit, sondern darum, wie wir uns mit dem fühlen, was wir tun.
“Erfolgreich sein” ist für viele Menschen allerdings gleichbedeutend mit “dauergestresst”. Geschlafen wird prinzipiell zu wenig und gegessen halt dann, wenn Zeit ist. Und die hat man eigentlich nie.
Die Arbeitsstunden stehen in keinem Verhältnis zur nie endenden To-Do Liste und man hechelt dem, was draufsteht, 24/7 hinterher. Auf die Abende im Büro folgen die Nächte im Gym, man muss ja auch noch was für die Optik tun. Man hetzt durch den Alltag, ohne je das Gefühl zu haben, auch mal fertig zu sein. Das klassische Hamsterrad, von dem Gott und die Welt spricht.
Mir wurde in meiner Kindheit oft gesagt, dass ich mein volles Potenzial entfalten soll. Und ich dachte lange, dass sich dieses Potenzial vor allem in möglichst viel Anerkennung, tollen Abschlüssen und hohen Auszeichnungen widerspiegelt. Dabei ist das lange nicht das Wichtigste.
Anerkennung nur um ihrer selbst willen nachzujagen ist ein bisschen so, wie als Kind dem hübschen Schmetterling ins Dickicht hinterherzurennen und sich plötzlich suchend auf einer dunklen Waldlichtung umzuschauen, weil man sich völlig verrannt hat und den Weg nach Haus nicht mehr findet.
Wir sind häufig so verbissen fokussiert darauf, Erwartungen zu erfüllen, dass wir über die Jahre das Gefühl dafür verlieren, was wir eigentlich wirklich brauchen.
Erfolg darf für jeden etwas anderes bedeuten.
Es gibt hier kein schwarz oder weiß. Und die eigenen Vorstellungen von Erfolg mit denen von anderen zu vergleichen, macht nicht immer unbedingt Sinn.
Wenn man das Wort “erfolgreich” hört, hat man je nach Prägung und Kulturkreis gern bestimmte Klischeebilder im Kopf. Dass persönliche und berufliche Verwirklichung aber für jeden anders aussieht, und wichtig, anders aussehen darf, sollten wir bei alledem nicht vergessen. Und vielleicht ab und an einmal abgleichen, ob Erfolg für mich auch wirklich den Dingen entspricht, denen ich im Augenblick nachjage.
Woran messen wir Erfolg?
Wir spüren Erfolgserlebnisse häufig lange, bevor wir sie sehen.
Eine kleine Veränderung in die für uns richtige Richtung kann bereits dazu führen, dass wir uns schon besser fühlen - auch wenn von außen noch nicht so viel sichtbar ist. Davon lassen wir uns zu oft beirren. Wir denken: man müsste doch schon was sehen und verlieren dabei schnell den Blick für das, was sich schon verändert hat. Und dabei sind diese kleinen Schritte vorwärts wahrscheinlich das Wichtigste am ganzen Prozess. Weil genau die uns auf Kurs halten.
Viele objektiv erfolgreiche Menschen haben verlernt, ihre Erfolge zu spüren, weil der Druck dahinter so groß geworden ist. Was in solchen Fällen bleibt, ist eine Kombination aus Dauerstress, Unsicherheit und Selbstzweifeln.
Erfolg bedeutet, dass ich es geschafft habe, heute eine andere Entscheidung zu treffen als gestern.
Eine, die mich vorangebracht hat, auf welche Weise auch immer.
Wir sabotieren uns selbst, indem wir Erfolge kleinreden.
Wir entwerten sie, bevor es jemand anders kann. Und weißt du was? Ich glaube, wir tun das, weil wir uns schützen wollen. Aber indem wir Erfolge kleinreden, halten wir uns selbst damit auch klein.
Ein Erfolg ist nicht erst ein Erfolg, wenn er für andere messbar wird. Er ist es, sobald wir ihn spüren.
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Mein Bruder und ich teilen beide die Leidenschaft für Persönlichkeitsentwicklung. Bei unserem letzten Gespräch hat er etwas gesagt, was mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Eine einfache Frage, die er sich stellt, wenn er zweifelt - und die am Ende aber gar nicht unbedingt so einfach ist.
Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?
I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.
Das Paradoxon der Unverwundbarkeit
"Ich will nirgendwo anders sein als genau hier, genau jetzt."
Dieser kleine Gedanke wirkt vielleicht unspektakulär, aber für einen ehemaligen Perfektionisten bedeutet er alles. Weil er vielleicht zum ersten Mal spürt, was Frieden bedeutet.






Tolle Erkenntnis, gehe deinen Weg weiter so. Du bist so wunderbar wie du bist