Mein Bruder und ich teilen beide die Leidenschaft für Persönlichkeitsentwicklung. Bei unserem letzten Gespräch hat er etwas gesagt, was mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Eine einfache Frage, die er sich stellt, wenn er zweifelt - und die am Ende aber gar nicht unbedingt so einfach ist.
Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?
Ich bin Helen und schreibe hier im WH Magazine über Autonomie und Handlungsfähigkeit. Mit einem kostenlosen oder bezahlten Abo bekommst du neue Texte künftig direkt in dein Email-Postfach:
Mich hat diese Frage irgendwie kalt erwischt. Vielleicht, weil sie jeder möglichen Ausrede den Boden wegzieht und man kein leichtes aber mehr vorschieben kann, um unbequemen Gedanken aus dem Weg zu gehen. Viele der üblichen Schleifen erübrigen sich plötzlich und man steht ungeschützt da.
Vor dem, was man will, aber nicht wahr macht.
Warum es sich lohnt, sich diese Frage zu stellen
Die größte Gemeinsamkeit von uns Menschen ist wahrscheinlich der Wunsch, sich nicht dauernd Sorgen machen zu müssen. Aber können wir uns überhaupt vorstellen, wie sich das anfühlt?
Dass diese Gefühle grundsätzlich ihre Daseinsberechtigung haben, ist hoffentlich klar. Der Unterschied liegt letzten Endes eher darin, ob wir sie annehmen oder uns völlig von ihnen vereinnahmen lassen.
Dank der neuroplastischen Eigenschaften unseres Gehirns können wir ein Leben lang dazulernen.
Mithilfe von zielgerichteten Gedanken überschreiben wir das ausgediente Programm in unseren Köpfen und können auf diese Weise alte Verhaltensmuster in neue umwandeln.
Das bedeutet nicht, dass wir dabei vergessen müssen, wer wir vorher waren. Es bedeutet nur, dass wir nicht zwingend in dieser Version festhängen müssen. Wir können die Dinge anders gestalten - vorausgesetzt, wir wollen es.
Welcher Aspekt dabei jedoch wichtig bleibt: verstehen ist nicht gleich verkörpern.
Und wenn letzteres ein bisschen mehr Zeit braucht, ist das nicht nur okay. Es ist normal.
Wer wäre ich, wenn ich keine Angst hätte? Was würde ich anders machen?
Wenn ich keine Angst hätte, hätte ich einen klareren Blick auf den Weg, den ich gehen möchte. Ich würde nicht mehr verunsichert stehenbleiben, wenn ich etwas Neues ausprobiere, sondern unbeirrt weitergehen. Ich würde mir erst gar keine Gedanken darüber machen, ob etwas auf Anhieb klappt oder nicht, weil ich weiß, dass es mich ohnehin weiterbringt - unabhängig vom Ergebnis.
Ich würde mich selbst viel weniger hinterfragen und mir öfter vertrauen. Meiner Stimme, meiner Haltung. Meinen Worten.
Ich würde mich nicht von gesellschaftlichen Normen unter Druck setzen lassen, wenn es um meine Lebensentscheidungen geht. Und mir wäre egal, wie stark sie in Kontrast zur Norm stehen. Ich würde einfach leben.
Wir müssen uns unsere Angst nicht wegdenken.
Dafür ist dieses Experiment auch nicht gedacht. Es geht eher darum, sich mithilfe dieser Frage einen Raum für neue Möglichkeiten zu erschaffen. Eine Art Intervention fürs Gedankenkarussel.
Angst macht uns nicht zwingend handlungsunfähig. Das passiert nur, wenn wir es zulassen. Man kann auch mit Angst vorwärtsgehen und wenn du mich fragst, muss man das sogar. Nicht umsonst heißt es ja, dass der beste Umgang mit Angst oft der direkte Weg durch sie hindurch ist.
Wir sollten uns gelegentlich fragen, welche Angst am Ende überwiegt.
Die vor Veränderung oder doch die Angst davor, dass das, was man will, irgendwann zu dem wird, was man immer wollte, aber nie wahr gemacht hat.
Und wenn du einen Tag lang keine Angst hättest? Was würdest du tun?
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Sag's ihr.
Jemanden anzusprechen, den wir toll finden, ist wahrscheinlich für die meisten von uns eine Überwindungssache. Seit es Social Media gibt, verlagern wir das Kennenlernen allerdings auffällig oft auf den virtuellen Raum: auch dann, wenn es gar nicht sein müsste.
Warum flüchten wir in diesen Momenten so gern - und wovor eigentlich?
I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.
Wasser und Wein
Anderen etwas verbieten, um es dann selber zu tun - das Stichwort Doppelmoral ist seit vergangener Woche wegen der aktuellen Geschehnisse rund um Jens Spahn und seinen Rücktritt als CDU-Fraktionsvorsitzender sehr präsent in vielen Köpfen.
Was sagt es über konservative Gesellschaftsbilder aus, wenn sich selbst ihre Verfechter nicht an sie halten? Und ist damit nicht schon alles gesagt?






