Keine Sorge, das hier wird ein Text, wie du ihn gewohnt bist. Es folgt jetzt kein Schritte-Programm und auch keine Liste mit Tipps.
Nur eine Frage, auf die ich in vielen Momenten selbst keine Antwort weiß. Deshalb stelle ich sie dir:
Wie lernt man, loszulassen?
Ich bin Helen und schreibe hier im WH Magazine über Autonomie und Handlungsfähigkeit. Mit einem kostenlosen oder bezahlten Abo bekommst du neue Texte künftig direkt in dein Email-Postfach:
Die Art des Loslassens hängt von der jeweiligen Situation ab.
Da gibt es Menschen, die sich selbst verabschiedet haben, Chancen, die verstrichen sind und Türen, die einem vor der Nase zugeschlagen wurden. Alles, was keine offenen Fragen hinterlässt. Klar und unmissverständlich. Nicht angenehm, aber mit Closure.
Und dann gibt es noch die andere Kategorie.
Am schwierigsten loszulassen sind die Vielleicht’s. Die fast’s, die wenn noch das, dann aber…’s. Die Türen, die immer so ein bisschen halb offen stehen. Alles Ungeklärte.
Man kann Klarheit nicht erzwingen, wenn sie mit äußeren Umständen zu tun hat. Man kann sich maximal dafür entscheiden, auch ohne sie weiterzugehen. Was wäre denn auch die Alternative? Bis zum Sanktnimmerleinstag darauf zu warten, völlig bewegungsunfähig und mit Autonomie-Amnäsie? Nein, danke.
Wie man loslässt, lässt sich also nicht pauschal beantworten.
Gut. Am Ende ist es spannenderweise sowieso fast egal, worum es geht. Ob es das Jobangebot ist, die Beziehung oder die Auswanderung - wir können nie sicher wissen, wie die Alternative ausgesehen hätte. Und das macht es wahrscheinlich so schwer.
Wir hängen in der Überzeugung fest, dass sie auf jeden Fall besser gewesen wäre als der Weg, der es schlussendlich wurde. Wie in einem Netz. Logik kommt dagegen nicht an. Und jedes kleine Argument, das es trotzdem durchschafft, wird sofort eingesponnen mit immer neuen Gründen, noch ein bisschen länger festzuhalten. Also bleiben wir.
Warum ist es so schwer, dieser Überzeugung zu entkommen?
Warum sprechen wir so selten darüber, dass dieses idealisierte Bild nur ein einziges Szenario von unendlich vielen Möglichkeiten abbildet? Denn die Wahrheit ist oft, dass vieles andere genauso hätte passieren können.
Du hättest nach ein paar Wochen im neuen Job feststellen können, dass er die wahrgewordene Hölle für dich ist. Vielleicht hättest du es bereut, deine Zelte abzubrechen und in einem neuen Lang ganz von vorn anzufangen. Vielleicht aber auch nicht. Die Wahrheit ist: wir wissen’s nicht.
Was wir wissen, ist, dass wir uns für eine Möglichkeit entscheiden müssen.
Irgendeinen Weg muss man gehen. Und wenn du mich fragst, ist alles besser, als auf der Stelle zu stehen.
Dann triffst du eben mal eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch für dich herausstellt - na und? Wenigstens ist die Frage jetzt geklärt. Du erfährst so viel mehr über dich, wenn du dich für’s Erleben entscheidest, statt aus Gewohnheit dagegen - nur aus Angst, es könnte eventuell nicht die Richtige sein. Wenn du’s nie versuchst, wirst du’s auch nie erfahren.
Loslassen ist nicht immer automatisch Verlust. Manchmal bedeutet es Freiheit. Manchmal gewinnen wir erst dadurch.
Loslassen heißt, dass ich nicht mehr versuche, das Unkontrollierbare zu kontrollieren. Und stattdessen passieren lasse, was passieren soll.
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Perseidenregen
Es heißt wahrscheinlich nicht umsonst „sich erden“. Die Natur ist und bleibt eben doch der beste Reset-Knopf.
Manchmal vergesse ich das trotzdem - bis mich ein Schauspiel wie letzte Woche wieder dankenswerterweise daran erinnert, wie wunderschön die selbstverständlichsten Dinge eigentlich sind.
Eine Frage des Timings
Ich glaube, dass anhaltende Unklarheit die meisten Menschen zermürbt. Wir bleiben auf Abstand, weil es sicherer scheint - aber eigentlich verschwenden wir Zeit. Nichts kann einen Menschen mehr beschäftigen als Ungesagtes. Irgendwann habe ich aber verstanden, dass es genau darum geht: es auszuhalten.
Du kannst keinem helfen, der sich nicht selbst helfen will.
Und du kannst keinem nah sein, der lieber Abstand zu sich hält.
Können wir gegen Dysfunktionalität „anlieben"?
Im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es mehr unterschiedliche Überzeugungen, als man überblicken kann – darunter auch solche, die die Entwicklung von funktionierenden Verbindungen eher blockieren als begünstigen.
Können wir gegen Dysfunktionalität „anlieben“? Und was braucht es außerdem, damit aus einer dysfunktionalen Verbindung eine funktionierende werden kann?





