Eine Frage des Timings
Gibt es so etwas wie den richtigen Zeitpunkt? | Monday Editions
Passieren uns die richtigen Dinge - oder Menschen - manchmal einfach zur falschen Zeit?
Du kennst vielleicht das Sprichwort: “Right person, wrong time”. Richtige Person, falscher Zeitpunkt. Und ich glaube schon, dass da was dran ist. Natürlich nicht für alle und ganz sicher nicht für jede Situation. Besonders nicht dann, wenn wir vor lauter Romantisieren nicht mehr klar denken können. Aber wann gilt er denn dann?
Ich bin Helen und schreibe hier im WH Magazine über Autonomie und Handlungsfähigkeit. Mit einem kostenlosen oder bezahlten Abo bekommst du neue Texte künftig direkt in dein Email-Postfach:
Ich weiß, dass viele Menschen hier eine andere Meinung haben: dass es für die ‘richtige’ Person keinen falschen Zeitpunkt gibt. Oder für die Idee, die man unbedingt umsetzen möchte. Vielerorts hört man Floskeln, die zur ‘einfach anfangen’-Mentalität passen. Ebenfalls auf der Bingo-Karte: Sätze wie ‘du musst nur fest genug daran glauben’.
Und ja: es macht natürlich einen Unterschied, ob wir an uns glauben oder nicht. Manchmal sogar den Entscheidenden. Sobald das Visualisieren aber in den krampfhaften Versuch kippt, ein bestimmtes Outcome zu erzwingen, wird es schwierig.
Menschen können sich entfremden - und sich später näher sein als jemals zuvor.
Das ist keine nobelpreisverdächtige Neuerkenntnis. Die meisten von uns haben das wahrscheinlich schon erlebt. In Beziehungen, in Freundschaften, in der Familie.
Und trotzdem: wenn es um andere geht, denken wir gern absolutistisch. Weil es einfacher scheint. Wenn am Ende einer Geschichte mehr Fragezeichen als Antworten stehen, denken wir uns selber welche aus. Weil eine falsche Erklärung immer noch besser ertragbar ist als die Unklarheit.
Und ich versteh’s. Wirklich. Ich hasse Schwebezustände.
Ich glaube, dass anhaltende Unklarheit die meisten Menschen zermürbt.
Wir bleiben auf Abstand, weil es sicherer scheint - aber eigentlich verschwenden wir Zeit. Nichts kann einen Menschen mehr beschäftigen als Ungesagtes.
Irgendwann habe ich es aber verstanden, dass es genau darum geht: es auszuhalten.
Du kannst keinem helfen, der sich nicht selbst helfen will.
Und du kannst keinem nah sein, der lieber Abstand zu sich hält.
Das zu akzeptieren ist nicht dasselbe wie drauf zu scheißen.
Es ist mir nicht egal. Aber ich weiß, dass ich die Situation nicht ändern kann. Ich kann lernen, sie anzunehmen und je besser ich das schaffe, desto besser kann ich nach vorne schauen.
Man muss nicht alles tot analysieren, sondern manchmal einfach wissen, wann’s gut ist.
Mit den Umständen leben lernen, die man nicht ändern kann, um mehr Kraft zu haben für die Bereiche, die man tatsächlich beeinflussen kann. Und für die Menschen, die genauso committed sind wie man selbst.
Man darf ab und zu rüber schielen, neugierig sein, sich fragen, ob’s das jetzt wirklich war oder ob da doch noch was kommt. Das ist menschlich.
Man darf die Tür einen Spalt breit offen lassen. Solange man trotzdem noch sein Leben lebt und nicht wie gelähmt davor sitzen bleibt.
Gibt es den richtigen Zeitpunkt?
Mama sagt, dass es für alles den richtigen Zeitpunkt gibt. Nicht im Sinne von "jetzt forcier ich’s”, sondern eher den Moment, wenn Umstände und Sache nahtlos zusammenfinden. Fügung, quasi.
Bei meinen Großeltern war’s so.
Sie sind als Kinder schon zusammen zur Schule gegangen und Opa erzählt gern, dass er damals schon in sie verliebt war. Zusammengefunden als Paar haben die zwei allerdings erst Jahrzehnte später. Dazwischen lebten beide ein ganzes Leben getrennt voneinander: beide heirateten, beide gründeten Familien, beide Ehen endeten. Und als es sein sollte, liefen sie sich wieder über den Weg.
Den Satz ‘Das hättet ihr auch einfacher haben können’ haben sie sicher nicht nur einmal gehört. Und ja, hätten sie. Aber wer sagt denn, dass die Geschichte dann so gut geworden wäre, wie sie jetzt ist?
Vielleicht müssen wir erst bestimmte Erfahrungen machen, um überhaupt den Unterschied zu spüren.
Wir können nur erkennen, was zu uns passt, wenn wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn man etwas Zeit am falschen Ort verbringt. Oder mit dem falschen Menschen.
Ob wir jetzt von Beziehungen sprechen, vom Arbeiten oder irgend einem anderen Thema, ist dabei eigentlich egal. Es gilt immer dasselbe: Unentschlossenheit macht auf Dauer mehr kaputt als eine falsche Entscheidung.
Und manchmal, wie bei Oma und Opa, hält das Leben eine Zwischenhandlung parat, die zuerst erzählt werden muss, damit die Geschichte ihr verdientes Happy End bekommt.
Weiterlesen
I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.
Sag's ihr.
Jemanden anzusprechen, den wir toll finden, ist wahrscheinlich für die meisten von uns eine Überwindungssache. Seit es Social Media gibt, verlagern wir das Kennenlernen allerdings auffällig oft auf den virtuellen Raum: auch dann, wenn es gar nicht sein müsste.
Warum flüchten wir in diesen Momenten so gern - und wovor eigentlich?
Können wir gegen Dysfunktionalität „anlieben"?
Im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es mehr unterschiedliche Überzeugungen, als man überblicken kann – darunter auch solche, die die Entwicklung von funktionierenden Verbindungen eher blockieren als begünstigen.
Können wir gegen Dysfunktionalität „anlieben“? Und was braucht es außerdem, damit aus einer dysfunktionalen Verbindung eine funktionierende werden kann?






Aus Erfahrungen und Ereignissen für die Zukunft lernen. Trotzdem wird es immer wieder
neue Situationen geben mit denen man sich auseinandersetzen muss. Sich immer den
neuen Aufgaben und Veränderungen stellen.