Mein Vater und ich stehen in der Eingangshalle des Flughafens von Valletta, etwas konsterniert, weil die Schlange vor dem Taxistand an diesem Samstag astronomisch lang ist - ganz anders als bei unserer Anreise am Donnerstag. Vor unserem Abflug am Abend wollen wir uns noch die Hauptstadt anschauen und haben unsere Koffer daher schon mal vorab eingelagert. Jetzt stellen wir fest, dass sich der Weg dorthin wesentlich schwieriger gestaltet als erwartet.
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Mit gezücktem Nummernzettelchen 911 (ja, ich weiß, dachten wir auch) stehen wir also in der beachtlichen Warteschlange, als die Frau hinter uns beschließt, dass jetzt der Zeitpunkt für ein Bonding-Gespräch unter Leidensgenossen gekommen ist. Wie ein kleiner, aber liebenswerter Wasserfall legt sie los und fängt dabei irgendwo in der Mitte des Gesprächs an, wie man’s eben so macht, wenn man aufgeregt ist. Von ihr erfahren wir, warum heute alles so lange dauert: es sind Wahlen auf Malta, und ihren Erklärungen entnehme ich, dass das soviel heißt wie Völkerwanderung.
Malta gehört zu den wenigen verbleibenden EU-Ländern, in denen es keine Briefwahl gibt.
Wähler und Wählerinnen müssen am Wahltag nach wie vor zwingend persönlich im Wahllokal erscheinen - auch Menschen, die im Ausland leben. Das erklärt den überhöhten Andrang an diesem Tag und macht die beachtliche Wahlbeteiligung von 87,4 Prozent noch beeindruckender.
Gut, man könnte jetzt argumentieren, dass die maltesische Regierung in Kooperation mit Maltas eigener Fluglinie mittels niedriger Kombipreise von 90 € für Hin- und Rückflug besonders für die auswärtig Lebenden einen attraktiven Anreiz für einen Heimatbesuch geschaffen hat - aber dennoch, beeindruckend.
Unsere Warteschlangenbekanntschaft warnt uns, dass die Straßen später am Tag wahrscheinlich noch sehr voll werden. Gut, dass wir da schon im Flieger sitzen, denke ich so bei mir und anhand der Blicke meines Vaters vermute ich, dass er ähnliches denkt.
Plötzlich höre ich neben uns ein lautes Klirren.
Einer Frau, die mich vom Aussehen her verdächtig an Barbie erinnert, ist die Plastiktüte aus der Hand gerutscht. Der Boden färbt sich binnen Sekunden knallrosa von der pinken, sprudeligen Flüssigkeit, die wohl ursprünglich zu der zerbrochenen Glasflasche in ihrer Tüte gehört hat. Irgendwie passend, denke ich, zugegeben etwas perplex von dem plötzlichen und unfreiwilligen Barbie-Reenactment vor meiner Nase.
Hektik breitet sich aus, und was macht unsere sympathische Warteschlangenbekanntschaft? Sie zückt völlig unbeeindruckt ein Taschentuch und eilt der überfordert wirkenden Dame zu Hilfe, die entgegen der flehenden Anweisung einer Sicherheitsbeamtin die Plastiktüte samt Inhalt über den Boden und an den Rand des Raums zerrt. Die sprudelige pinke Pfütze wird zu einem rosa Bach, der jetzt den Eingangsbereich des Flughafens durchzieht. Mann oh Mann, was für ein Chaos.
Nachdem die Situation einigermaßen entschärft ist und eine Reinigungskraft sich dem Problem angenommen hat, gesellt sie sich wieder zu uns und widmet ihre scheinbar endlose Energie leidenschaftlichen Diskussionen mit den Taxifahrern, die sich rigoros an die Reihenfolge der Nummernzettel halten - selbst dann, wenn die Besitzer der nächsten Nummer auch nach mehrfachem Aufruf nicht mehr auffindbar sind. Das dehnt den Prozess spürbar, um es vorsichtig auszudrücken, und unsere Warteschlangenbekannschaft scheut sich nicht, das den Taxifahrern auch klar mitzuteilen.
Ich bin inspiriert von ihrer Unverblümtheit und nehme mir vor, künftig selbst ein bisschen was davon im Alltag anzuwenden.
Unverblümter sein, direkter. Mutiger vielleicht auch. Und wenn’s sein muss, auch mal mit dem Fuß aufzustampfen, statt auf Zehenspitzen um andere herumzutapern. Wie sich herausgestellt hat, hilft’s: keine zwei Minuten später hatten wir unser Taxi.
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I'm not your mom (or your therapist).
Es gibt eine feine, aber schützenswerte Linie zwischen dem, was man in einer Beziehung geben kann und dem, was man geben sollte. Ich ziehe sie mittlerweile klarer. Jetzt steht da eine halbhohe Kofferwand aus all dem Ballast, den jemand anders zwar loshaben wollte, aber nie sortiert hat.






